„Erneuerbare Energien sind nicht Ideologie – sie sind die Infrastruktur der Zukunft“ Felix Bräuer über Solar, Software und Skalierung
Felix Bräuer hat sich als Geschäftsführer von Premium Mounting Technologies (PMT) und langjähriger Akteur in der Solarbranche der Mission verschrieben, Deutschland bis 2045 zu 100 % mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Im Interview spricht er zur Energiewende über seine persönliche Motivation, seine Rolle als „Top Voice“ auf LinkedIn, die Bedeutung der Digitalisierung und seine Erwartungen an Softwarelösungen.
Was hat Sie dazu bewegt, sich beruflich dem Ziel „100 % erneuerbare Energien“ zu verschreiben?
Ich bin in einem handwerklichen Umfeld aufgewachsen, mein Vater war Elektromeister. Strom und Technik gehörten schon immer zu meinem Alltag. Ein entscheidender Moment war mein Work-and-Travel-Jahr in Kanada. Dort sah ich, wie uralte Regenwälder nach Stürmen zerstört wurden, wie Gletscher schrumpfen – das war deutlich spürbar menschlicher Einfluss auf die Natur. Da wurde mir klar: Ich will etwas tun, das wirklich Wirkung zeigt.
Und dann wollten Sie in der Solarbranche arbeiten?
Die Erfahrung in Kanada hat meinen Blick geschärft, aber auch die Rückkehr nach Sachsen. In Freiberg und Tharandt, wo Nachhaltigkeit durch den Forstwissenschaftler Heinrich Cotta historisch geprägt wurde, habe ich Umwelt- und Energietechnik studiert und bereits während des Studiums ein Bürgerkraftwerk gegründet. Ich wollte einen Bereich wählen, in dem ich echten Impact erzielen kann – die Solarenergie hat mich sofort fasziniert.
Was motiviert Sie heute weiterzumachen?
Wir reden heute viel von digitaler Souveränität, Ressourcensouveränität und Energiesouveränität. Das ist der logischste Weg, sich unabhängig zu machen – und es ist keine Ideologie, sondern Vernunft. Deutschland gibt jedes Jahr zwischen 80 und 120 Milliarden Euro für fossile Energieimporte aus, oft in Länder, die politisch instabil sind. Dieses Geld könnte man stattdessen in die eigene Infrastruktur investieren. Mit erneuerbaren Energien schaffen wir nicht nur eine sichere, nachhaltige Energieversorgung, sondern auch die digitale Steuerbarkeit der Anlagen – das ist die Infrastruktur der Zukunft.
Mich motiviert die Überzeugung, an der richtigen Sache zu arbeiten. Fossile Energien sind endlich – erneuerbare Energien sind wirtschaftlich, unabhängig und die einzige langfristige Lösung. Außerdem will ich vor meinen Kindern mit gutem Gewissen sagen können: Ich arbeite an einer positiven Zukunft.
Sie sind „Top Voice“ auf LinkedIn. Wie wichtig ist Social Media für die Energiewende?
Sehr wichtig. Meine Beiträge haben monatlich über eine Million Impressionen. So kann ich Themen setzen und Diskussionen anstoßen, die sonst kaum Beachtung finden würden. Es geht darum, Narrative zu verändern: Weg von Angst und Verzicht, hin zu Chancen – Arbeitsplätze, wirtschaftliche Stabilität, Energiesouveränität. LinkedIn ist für mich ein Mittel, diese Botschaft zu verbreiten.
Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer digitalen Reichweite gemacht?
Natürlich gibt es auch Kritiker. Aber die Diskussionen sind nicht für die einzelnen Personen, sondern für die stille Mehrheit, die mitliest. Sie bilden sich daraus ihre Meinung. Außerdem öffnen mir Reichweite und Vernetzung Türen zu Ministern, Abgeordneten und Medienvertretern, die ich auf klassischem Weg nie erreicht hätte. Für die Energiewende ist das extrem wichtig, weil dadurch Themen aus der Branche direkt in politische und gesellschaftliche Entscheidungsräume getragen werden.
Welche Rolle spielt digitale Technologie bei der Transformation der Erneuerbaren?
Digitalisierung ist der Schlüssel. Wir haben nicht mehr wenige zentrale Kraftwerke, sondern Millionen dezentraler Anlagen – PV, Wind, Speicher, Haushalte. Ohne Smart Meter, Software, Vernetzung und KI lassen sich diese Systeme nicht steuern. Daten, Preissignale, Steuerung und Wartung müssen intelligent vernetzt werden, sonst funktioniert die Energiewende nicht.
Wie schätzen Sie das Potenzial von Künstlicher Intelligenz ein?
KI ist essenziell, um Millionen Datenpunkte auszuwerten, Lasten zu steuern, Speicher zu optimieren und Netze stabil zu halten. Ohne KI wird die Energiewende in einem dezentralen System nicht machbar sein. Viele Prozesse laufen noch manuell oder fragmentiert – das verlangsamt den Ausbau und reduziert Effizienz.
Welche Anforderungen haben Sie als Geschäftsführer an eine EE-Software?
Die Digitalisierung und Software-Lösungen für Erneuerbare ermöglichen, dass wir effizienter arbeiten, komplexe Projekte steuern und Daten intelligent nutzen können.
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Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz
Ich bin sehr softwareaffin, aber entscheidend ist, dass die Software einfach zu bedienen ist. Sonst pflegen die Nutzer die Daten nicht – und jedes System ist nur so gut wie die Daten, die darin sind.
- 2
Zentrale, saubere Datenbasis
Alle Daten müssen aus einer sauberen, zentralen Datenbank kommen – nicht in Excel-Chaos liegen. Nur so kann jeder im Unternehmen damit arbeiten und langfristig sinnvoll darauf zugreifen.
- 3
Langfristige Projektübersicht
Projekte laufen oft über Jahre und viele Mitarbeitende wechseln. Wir brauchen eine saubere Transparenz, damit Informationen nicht verloren gehen. Die Software muss über den gesamten Projektzyklus hinweg unterstützen – von der Datenerfassung bis zur Nutzung von maschinellem Lernen oder KI.
- 4
Flexibilität und Skalierbarkeit
Die Kostenstruktur muss für kleine wie große Unternehmen passen. Wichtig ist, dass die Software von allen Teams genutzt werden kann, unabhängig davon, ob es ein kleiner Betrieb oder ein großer Projektentwickler ist.
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